Techniken (Kihon)

10. und 9. Kyu

Die erste Lernstufe beginnt mit dem weissen (orangen) Gurt. Mit unablässiger Ausdauer kann man den schwarzen Gurt erreichen. Ein Weissgurt endet im Schwarzgurt, erkämpft mit ausdauerndem Training, mit schweissgebadeten Wettkämpfen und zahlreichen Niederlagen. Der weisse Gurt steht symbolisch für den Wunsch nach Aufstieg zur nächst höheren Stufe. Der weisse Gurt steht für Anfang, welcher verglichen werden kann mit der weissen Farbe, die alle Farben widerspiegelt, jedoch keine davon aufnimmt, weil weiss schon das Spektrum des Lichts in sich trägt. Der neue Karateka mit weissem Gurt fängt sein Training in absoluter Reinheit an, er kennt die Ansprüche, welche an ihn gestellt werden noch nicht. Nach dem Schwarzgurt ist der Weissgurt der wichtigste im Leben eines Karateka, der sich allmählich mit allen neuen Techniken, mit den Übungen und den Anforderungen dieses Sports vertraut machen muss und sein Leben entscheidend verändern wird.

8. und 7. Kyu

Der Blaugurt folgt auf den Orangegurt und ist in Japan unter dem Namen Mizu-Iro-Obi (Farbe des Wassers) bekannt. Der Karateka, der mit dem blauen Gurt trainiert, entwickelt grundlegende Charakteristiken, die darin bestehen, auf die verschiedenen Körperaktionen biegsam zu reagieren, so wie sich das Wasser allen Formen anpasst. Der Karateka mit dem blauem Gurt muss körperlich und geistig flexibel sein.

6. und 5. Kyu

Nach mehrmonatigem, intensivem Training gelangt der Karateka zum gelben Gurt, dessen Farbe an das Feuer erinnert. Gemäss der japanischen Philosophie befindet sich das Zentrum, wo sich die kreative körperliche Energie und die psychische Ausgeglichenheit befinden, just unter dem Bauchnabel, das die Japaner „Hara“ nennen. Der Schüler, der für den gelben Gurt trainiert, legt seine ganze Konzentration in das Hara. Er muss lernen, Kraft aus diesem Zentrum zu ziehen.

Ab Erhalt des gelben Gurtes soll sich der Schüler nicht mehr bloss auf das körperliche Training konzentrieren (Technik und Koordination), sondern auch auf das psychologische Training, das heisst die Wahrnehmung, das Bewusstsein und die Notwendigkeit zu wissen, was man wert ist. Gemäss der japanischen Philosophie, gibt uns das Element Feuer das Bewusstsein der dynamischen Kraft, die vom Karatewillen ausströmt. Nach und nach beginnt der Schüler des gelben Gurtes an seine Möglichkeiten zu glauben. Die Techniken werden raffinierter und schneller. Der Schüler des gelben Gurtes muss sich bewusst sein, dass sein Geist den Körper kontrolliert. Der gelbe Gurt ist die letzte Stufe für den Anfänger.

4. und 3. Kyu

Mit dem grünen Gurt beschreitet man die höheren Stufen. Grün verbindet die Farben Gelb (das Element des Feuers) und Blau (das Element des Wassers). Es ist der Grad der exakten Sensibilität und des Moments. Es obliegt dem Träger des grünen Gurtes, seine Techniken im günstigen Moment und mit einem Maximum an Wirkung anzuwenden. Die Anwendung von Techniken muss mühelos erfolgen, mit wenig Kraftanstrengung und mit Perfektion.

2. und 1. Kyu

Braun ist die interessante Mischung der drei Grundfarben: 2/5 Rot (körperlich), 2/5 Gelb (geistig) und 1/5 Blau (seelisch).

„Der Braungurt ist eine sehr wichtige Stufe und das Training hierfür sollte in einem ernsten, verantwortungsvollen Rahmen des Geistes unternommen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte man sehr sicher und ausdauernd, in allen Techniken und um weitere Verbesserung bestrebt sein. Um sich auf den Schwarzgurt vorzubereiten, bürdet sich der Schüler viel Verantwortung im Dojo auf. Kreativität ist gefragt. Der Braungurt entwickelt die geistigen und körperlichen Grundlagen des Karate. Das Entwickeln eigener Katas -und diese über Jahre zu perfektionieren – ist eine Übungsform, die den tiefen Sinn der Techniken hervorbringt. Objektive Vergleiche mit anderen Dojos, Schülern oder Stilrichtungen sind wichtig. Sehe den Sinn solcher Vergleiche, nämlich das Erkennen der eigenen Stärke durch das Verstehen der Schwäche anderer. Ich habe nie erlaubt, anderen Kampfsportarten gegenüber ignorant zu sein. Warum? Solche Ignoranz ist eine Entehrung eines jeden, der seinen Pfad des Kampfsportes verfolgt.“ (Mas Oyama)

Yudansha

Schliesslich erreicht der Karateka sein eigentliches Ziel: den schwarzen Gurt, Symbol für die Anstrengungen, die damit verbunden sind.
Schwarz enthält alle Farben, es ist die Farbe der Kraft. Der Erhalt des Shodan ist nicht als Ende, sondern als ein neuer Anfang anzusehen.

Innerhalb und ausserhalb des Dojo, grüssen sich Karatekas mit dem Wort „Osu“, das zahlreiche Bedeutungen hat. Es bedeutet vor allem soviel wie „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Ich bin bereit“, „Ich verstehe“ usw. „Osu“ wurde abgeleitet von „Oshi Shinobu“, was soviel wie in Bedrängnis bestehen bedeutet. Hier wird der Karateka im Innersten der Seele berührt, einem Bereich, wo man seine persönlichen Grenzen überschreitet. Das Wort „Osu“ enthält in sich das Äusserste was Kyokushin Karte zu bieten hat. Es vermittelt uns eine ganze Lebensart.